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In der Region Train bzw. St. Johann fand damals mitten in der Zivilisation ein internationaler Militärwettkampf statt. Der Großteil der Wettkämpfer ist deutsch, aber es kammen auch einige Mannschaften aus dem angrenzenden Ausland. Die Wettkämpfer lebten komplett in der Lage und hatten als Aufgabe eine Fusspatrouille von ca. 18 KM länge durchzuführen.
Das ganze war an einen Auslandseinsatz angelehnt - die Wettkampfmannschaft bestehend aus 5 Mann begibt sich natürlich bewaffnet mit G36, mehreren Magazinen, Funkgerät, Ausrüstung usw. auf die Route nach festgelegten Koordinaten in einer Schützenreihe mit Dauersicherung und Beobachtung. Die Route war ca. 18 KM lang und es warteten viele Überraschungen von denen keiner wusste wo, was und wann.
Bewertet wurde die Gruppe wie schnell jeweils auf die Situation reagiert wird, ob richtig gehandelt wird, die Gruppe erfolgreich handelt usw.
Wenige Tage vor dem Wettkampf erhielt jeder Wettkämper per Mail oder Brief den "Einsatzbefehl":
LAGE:
1. Lage der Konfliktparteien
Insgesamt ist die Lage in Holldavien ruhig und stabil. Eine allgemeine Bedrohungslage ist aber dennoch für XFOR vorhanden. Mit vereinzelten Anschlägen durch Einzeltäter oder Banden, auch kriminell motiviert muss jederzeit gerechnet werden. Die Bedrohungslage durch Minen und UXO ist nach wie vor gegeben.
Zwischen den Ehtnien kommt es immer wieder zu Übergriffen.
Die im Umfeld von Traigonien angesiedelten überwiegend kosarischen Bevölkerungsanteile verhalten sich gegneüber XFOR neutral, aber distanzert.
Die zahlenmäßig geringeren pandurischen Bevölkerungsanteile bei Feldlager Johannland lehnen XFOR ab. Hierbei kam es bereits zu vereinzelten Übergriffen auf Personen und Einrichtungen von XFOR.
Bisheriger Höhepunkt war der Beschuss einer Patrouille die eine Rücksiedlungsmaßnahme begleitete.
Die Minderheiten sind den Übergriffen der anderen Ethnien häufig ausgesetzt, suchen den Schutz von XFOR, aber aufgrund religiöser Gegensätze ist die Beziehung zu XFOR voller Misstrauen.
2. Eigene Lage
Die Einsatzkräfte sichern unverändert in dem befohlenen Sicherungsbereich durch Checkpoints, Patrouillen und Beobachtungsposten. I. und II. Zug Einsatzkräfte führen derzeit die Überwachung im befohlenen Sicherungsabschnitt mit Checkpoints und Patrouillen in Gruppenstärke durch.
AUFTRAG:
Unsere Gruppe hat den Auftrag eine Tagespatrouille im befohlenen Sicherungsabschnitt des I. Zuges im Bereich Feldlager Johannland und dem Gebiet Traigonien durchzuführen und dabei Personen und Einrichtungen von XFOR zu schützen, Gesprächsaufklärung zu betreiben, verdächtige Personen zu überprüfen, bei Straftaten gegen Personen und Einrichtungen auch außerhalb XFOR einzuschreiten, bei Unfällen der Zivilbevölkerung Erste Hilfe zu leisten, illegal bewaffnete Personen zu entwaffnen, illegale Kontrollen
(Checkpoints) aufzulösen, Übergriffe zwischen den Ethnien zu unterbinden, passive Schutzmaßnahmen bei UXO, Minenfunden durchzuführen, andere Hilfsorganisationen zu unterstützen.
DURCHFÜHRUNG:
1. Eigene Absicht
Unsere Gruppe, Stärke 1/4, Deckname gemäß Sprechtafel, führt eine Patrouille durch in Gruppenstärke von 5 Mann in Schützenreihe im Raum Feldlager Johannland und dem Gebiet Traigonien um Übergriffe auf Einrichtungen und Personen zu verhindern und somit die Ordnung und Stabilität im Einsatzraum (Area of Responsibility/AOR) aufrecht zu erhalten.
2. Einzelmaßnahmen
Patrouillenweg, Starting Point, Releasing Point laut Karte Abstände ca. 8 Schritt zwischen den Positionen
Beobachtungs- und Sicherungsbereiche:
1 Patrouillenführer 12 Uhr
2 Nahsicherer und Melder 3 Uhr
3 Baumspäher und obere Fenster 9 Uhr
4 Baum- und Fensterspäher
5 stv. Patrouillenführer, Rücksicherer 6 Uhr
1+2 erste Halbgruppe, 3-5 zweite Halbgruppe
- Verhalten bei Hinterhalt/Scharfschützen:
Bei bis zu 3 Mann, also unterlegenem Feind, ist die Halbgruppe, die im Feuer liegt die Deckungstruppe und bindet den Feind durch gezieltes Feuer, die ungebundene Halbgruppe ist der Sturmtrupp, der den Gegner flankierend angreift und vernichtet. Wenn der Gegner sich ergibt, von einem Angriff erkennbar ablässt oder flüchtet ist das Feuer einzstellen und der Gegner zu entwaffnen. Keine Vergletungsmaßnahmen und keine Misshandlungen.
- Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung:
Korrekt, fair und freundlich, wenn notwendig aber bestimmt, unmissverständlich und durchsetzungsfähig. Grundsätzlich deeskalierend, Waffe nach unten!
- Verhalten bei CD/Sicherung:
Gruppe bleibt unter Führung Stv. zurück in Deckung, Absprachen mit CP/Sicherung erfolgt durch Patrouillenführer mit Nahsicherer. Nachziehen der Gruppe auf Befehl Patrouillenfhr.
- Verhalten bei illegal bewaffneten:
2+3 Eingreiftrupp, stellt sich bei Verhandlungsführung flankierend
2+versetzt
auf, um auf Stichwort "XXXX" den oder die Zivilpersonen in Anschlag zu nehmen. Danach Maßnahmen der erweiterten Personenüberprüfung.
- Verhalten bei Sperren
Sofortige Warnung der Gruppe, Abhocken und erhöhte Aufmerksamkeit im befohlenen Beobachtungs- und Sicherungsbereich. Maßnahmen nach "EMMA". Wenn Ausweichen nötig auf gleichem Weg zurück.
- Verhalten bei Verletzten
Selbst- und Kameradenhilfe, Verletzte und Verwundete werden mitgeführt.
Anforderung MEDEVAC durch Patrouillenfhr.
- Verhalten in Ortschaften
In Ortschaften Doppelreihe, Beobachtungsbereiche über Kreuz.
- Bereitschaftsgrad
Alarmstufen green /yellow: Gefechtsbereitschaft, red: Klar zum Gefecht
- Feuerregelung
Feuervorbehalt
- Gebiete mit erhöhtem Risiko:
* Irreguläre Kräfte / Bandentätigkeit im Raum Feldlager Johannland
* Düngemittelfabrik, Gefährdung durch ROTA
* Maßnahmen bei ABC: Mit Kampfmitteleinsatz ist nicht zu rechnen, allerdings besteht Gefährtung durch ROTA (Releases of others than attack), Verhalten wie bei C-Warnung, ABC-Schutzmaske auf, Wolke im rechten Wintel zur Zugrichtugn verlassen.
EINSATZUNTERSTÜTZUNG
Munition pro Soldat 15 Patronen, 1 Magazin a 10, 1 Magazin a 5 zugleich Sperrbestand Verpflegung am Mann und nach Rückkehr Patrouille
Tag X war gekommen. Noch recht müde stand ich um 5 Uhr am Treffpunkt Feldlager Johannland komplett in Flecktarn und Kampfrucksack. Im Rucksack diverse Dinge wie Planen, Seile, Klebeband usw. die wir auf unserer Patrouille eventuell brauchen könnten. Kurz danach traf auch der letzte unserer Mannschaft ein und wir checkten erst einmal unsere Ausrüstung, klärten was wir alles mitnehmen, was wir im Feldlager lassen und gingen nochmal wichtige Dinge sowie den Einsatzbefehl durch, klärten Positionen, Verständigung, taktische Zeichen usw.
Um 6 Uhr empfingen wir unsere Waffen, unsere Marschroute + Koordinaten und los gings ins ungewisse.
In Schützenreihe ging es raus in die Prärie - jeder hatte seinen Beobachtungsraum den er für die nächsten Stunden nicht ausser Augen ließ.
Wir wussten rein gar nichts was wann passiert und somit kam es zu einer ersten Aktion die eigendlich nicht zum Wettkampf gehörte... die polnischen Erntearbeiter die gerade beim Spargelstechen waren gehörten nicht zur Lage, arbeiteten eifrig und friedlich sodas wir unsere Patrouille weiterführten.
Dies sollte aber nicht die einzige Situation bleiben in der wir normale Zivilbevölkerung verdächtigten zum Wettkampf zu gehören.
Kurz darauf kam aus einer Seitenstrasse ein Auto angefahren, blieb stehen und plötzlich sprang ein Kamerateam heraus das sofort ein sehr aufdringliches Erscheinungsbild zeigten. Bild Trigonien versuchte mit laufender Kamera und Mikrofon an Informationen zu kommen. Die Fragen durften jedoch nur spärlich, unter berücksichtigung militärischer Geheimniswahrung beantwortet werden ohne die Patrouille zum stoppen zu bringen. Ein Kameramann rannte rückwärts vor uns, kam von der Strasse ab und drohte in ein gekennzeichnetes UXO-Gebiet zu laufen - dies musste verhindert werden.
Plötzlich rannte aus der Ortschaft vor uns ein älterer Herr mit blutender Wunde auf dem Kopf auf uns zu uns berichtete über eine Strassenschlacht in der Ortschaft.
Nun wurde es stressig... ein Soldat hielt die Presseleute zurück - diese durften das nicht filmen. Einer kümmerte sich kurz um den blutenden Herrn und leistete Erste Hilfe - der Rest dringte im Laufschritt in die Ortschaft ein wo sich am Dorfplatz ca. 6 Leute mit Holzstäben prügelten. Funkspruch absetzen, Angreifer abwehren, Verletzte medizinisch versorgen uvm. musste nun binnen kürzester Zeit umgesetzt werden. Keine leichte Aufgabe. Das Szenario wurde nach einer gewissen Zeit unterbrochen und von den Schiedsrichtern ausgewertet, Punkte vergeben und weiter ging es wieder in Schützenreihe.
Am Ortsausgang hörten wir wieder geschrei und laute Diskussionen... ein illegaler Checkpoint bzw. Grenze. Die Ortsbewohner wollten die Landbewohner nicht passieren lassen was jedoch verboten war. Der Checkpoint musste friedlich aufgelöst werden und die Beteiligten alle kontrolliert werden.
Eine Person hatte Drogen bei sich - eine andere eine unerlaubte Waffe.
Festnahme, Funkspruch, Beseitigung der Barrieren und Stacheldraht.
Szenarioende.
Weiter gings bis uns ein mächtiger Knall erschreckte. Eine Person rannte auf uns zu und meinte was von einer Autobombe und verletzten bzw. toten. Im Laufschritt ging es um die Ecke zum Ort des Anschlags. Ein zerstörtes Auto und im nahen Umfeld lagen 4 Personen. Eine Person funkte - die anderen 4 kümmerten sich um die 4 Verletzten. Wie sich herausstellte waren 3 Personen tod und wurden mit Plane abgedeckt - der vierte war schwerverletzt und musste gut 300m weiter zu einer Verwundetensammelstelle gebracht werden.
Gott sei dank hatten wir Seile und gute Gewebeplane dabei. Den Verletzten transportierten wir auf der Plane liegend zu der Verwundetensammelstelle.
Keine leichte Aufgabe da der Verletzte etwas über 100 Kilo auf die Waage brachte.
Nach dieser Aufgabe gings weiter auf eine längere Marschstrecke ohne Vorkommnis. Wir dachten fast das wir etwas übersehen hätten als plötzlich ein Passant auf uns zurannte und etwas von einem Brand erzählte - schon sahen wir auch in einem Hof vor uns Nebelschwaden aufsteigen. Im Hof stand eine brennende Übungspuppe der Feuerwehr die mit zwei Decken gelöscht werden musste. Schreie aus dem Gebäude machten uns darauf aufmerksam das es noch mehr verletzte geben muss. Wir dringten in ein enges verrauchtes Treppenhaus vor und fanden im ersten Stock eingehüllt von künstlichem Nebel eine Person die wir anschließend über das enge ausgetretene Treppenhaus ins Freie schaffen mussten. Wieder eine recht schweisstreibende Aktion.
Die nächsten Stationen waren ruhiger - verlangten keine Muskelkraft sondern eher Hirnmasse. Einmal diverse Fragen zur Sicherheitspolitik und dann erkennen von Luft- und Bodenfahrzeugen im Gelände mittels Fernglas - nicht nur deutsche sondern auch ausländische Militärfahrzeuge wie z.B. der US-Kampfpanzer Abrahams.
Weiter gings auf der Marschroute in Richtung eines größeren Flusses und unsere Vorahnung bestätigte sich. Die Strassenbrücke wurde gesprengt - am anderen Ufer ist mit Feinkontakt zu rechnen. Zur Überquerung steht uns eine Seilbrücke zur Verfügung. Da wir mit Feindkontakt zu rechnen haben musste diese gefechtsmäßig überquert werden.
Das nun kommende Patrouillenstück ging nach Koordinaten querfeldein über Wiesen und Felder bis wir eine Anhöhe erreichten und die nächste Station sahen. Hier wurde von uns der richtige Umgang mit Karte/Kompass und DF erwartet. Es mussten Entfernungen und Koordinaten mehrerer markanter Gebäude und Türme herausgefunden werden und ins Feldlager gefunkt werden.
Der weitere Weg führte uns in ein grosses Waldgebiet. Wir trafen auf einen Passanten der uns von diversen Waffenschmugglern und illegalen Waffentransporten im Wald erzählte - somit stand fest das ab sofort jede Person kontrolliert wird. Ehe es zu Personenkontrollen kam bemerkten unsere wachsamen Augen mehrere Minen im Wald. Sofort wurde ins Lager ein Bericht gefunkt, die Minen wurden gekennzeichnet und das Gebiet weiträumig abgesperrt. Manche Mannschaften haben die Minen im Gras nicht gesehen und dafür 0 Punkte für diese Station kassiert.
Jetzt kam es zu besagten Personenkontrollen und schließlich zu einem KFZ-Checkpoint. Ein Bus mit mehreren Leuten näherte sich. Die Personen wurden einzeln kontrolliert. Das Fahrzeug gespiegelt und mit dem Fahrer durchsucht. Hierbei wurden Handgranaten und mehrere Pistolen an verschiedenen Stellen gefunden. Der Checkpoint wurde geschlossen und abgeriegelt, das EOD-Team per Funk angefordert, die Personen festgenommen.
Die mittlerweile herrschende Hitze machte diese Aktionen nicht gerade einfach und wir waren froh nur noch wenige Kilometer vor uns zu haben ehe wir den Zielort erreichen. Diese Marschstrecke war jedoch nicht ohne eine letzte Überraschung - Heckenschützen aus dem Wald die plötzlich das Feuer eröffneten! Stellung, Funkspruch, Feuerfreigabe, Feuer. Ein Heckenschütze wird unmittelbar ausgeschaltet - der zweite flieht in den Wald, muss verfolgt, gestellt und festgenommen werden. Puls und Adrenalin nochmal auf Höchststand ehe wir dann unser Ziel erreichten und uns kräftig stärken.
Nachdem alle Mannschaften eingetroffen waren wurde im Rahmen eines Auszugs mit militärischem Antreten auf dem Sportplatz die Siegerehrung durchgeführt.
In der Bezirkswertung lagen wir auf dem zweiten Platz - in der Gesamtwertung auf dem 9. Platz mit über 750 Punkten. Zufriedenstellend, aber doch etwas ärgerlich denn nur 10 Punkte mehr und wir wären auf dem 7. Platz gewesen.
Nach der Siegerehrung konnte man an einem Gottesdienst teilnehmen. Am Abend fand eine Manöverparty anlässlich 20 Jahre RK Train bei bestem Wetter unterm Lastenfallschirm statt die ich dann irgendwann gegen 22 Uhr verlassen habe.
Gruss, Jürgen